18.05.2008 Bericht von Franz Haselbeck
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2. Internationales Open des Schachvereins ein voller Erfolg

Lokalmatador Ludwig Bielmeier sichert sich Platz 2 – starker Nachwuchs sorgt für Überraschungen 

Zum zweiten Mal nach 2006 richtet der Schachverein Deggendorf ein offenes internationales Schachturnier im Kapuzinerstadel aus. 37 Spieler aus ganz Deutschland sowie ein Teilnehmer aus Tschechien waren der Einladung gefolgt und kämpften von Freitag bis Sonntag verbissen, aber stets fair, in fünf Runden um den Turniersieg und das damit verbundene Preisgeld. Verdienter Sieger wurde der Augsburger Dr. Christoph Hahn ohne Niederlage mit 4,5 Punkten vor Lokalmatador Ludwig Bielmeier, der eine starke Vorstellung bot und ebenfalls ungeschlagen blieb, und dem „noch-Gladbecker“ Ivan Mancic, der ab der kommenden Saison das Team der Donaustädter verstärken wird und als FH-Student bereits die Stadtmeisterschaft für sich entscheiden konnte; beide erreichten 4 Punkte.

Mit dem Kapuzinerstadel hatte die Stadt Deggendorf dem Schachverein ein optimales Spiellokal kostenlos zur Verfügung gestellt, und sowohl das wunderbare Ambiente wie auch die vorbildliche Organisation wurden allseits in höchsten Tönen gelobt. Hierfür zeichneten neben Sabine Saxinger, der Betreuerin des „Kapuziners“, der bewährte Turnierleiter Hans Oberberger sowie Vereinsvorstand Franz Schmidbauer und seiner Frau Irmgard verantwortlich. Von der überaus gelungenen Veranstaltung konnte sich auch 2. Bürgermeister Peter Volkmer überzeugen, der die abschließende Siegerehrung vornahm, bei der, dank der Hilfe vieler Sponsoren, die Akteure eine Vielzahl von Geld- und Sachpreisen entgegennehmen konnten.

Bis sie allerdings den Lohn ihrer Mühen ernten durften, hatten die Spieler ein hartes Stück geistiger Arbeit zu leisten. So manche Partie ging über die volle Spielzeit von fünf Stunden, und eine Reihe talentierter Nachwuchsspieler sorgte von Beginn an dafür, dass das Tableau der Favoriten kräftig durcheinander gewirbelt wurde. Schon in der ersten Runde erwischte es mit FIDE-Meister Roland Knechtel den an Nummer 1 gesetzten, wertungsstärksten Spieler, der gegen den jungen Waldkraiburger Rafael Hecker im Endspiel unterlag, sich von dieser Niederlage nie mehr richtig erholte und letztendlich auf dem enttäuschenden 11. Rang einlief. Auch die erfahrenen Deggendorfer Michael Bacholke, der in eine wohlvorbereitete Falle des erst 13-jährigen Top-Talents Daniel Thanner (SC Vilshofen) lief und aufgeben mussten, und Professor Johannes Grabmeier, dessen Angriffsbemühungen gegen Marcel Früchel ihm selbst zum Verhängnis wurden, fielen in den folgenden Runden dem Projekt „Jugend forscht“ zum Opfer. Und im längsten Match der Schlussrunde musste auch noch ihr Vereinskollege Franz Haselbeck, der bis dato den Ansturm der Jugend mit Mühe hatte abwehren können und aussichtsreich auf Rang 3 lag, das starke Spiel des 18-jährigen Vilshofeners Alexander Stadler anerkennen, der sich mit diesem Erfolg sensationell Platz vier sicherte. Die weitere Reihenfolge der Top-Ten: 5. Hans Peter Thanner (Fortuna Regensburg), 4 Pkt.; 6. Marek Pokrupa, (Wunsiedel/Tschechien), 3,5 Pkt.; 7. Franz Haselbeck; 8. Rafael Hecker; 9. Daniel Thanner; 10. Andreas Krauß (SV Deggendorf), alle 3 Punkte. Ebenso viele Zähler, jedoch mit dem Handicap der schlechteren Feinwertung, erreichten auch Prof. Grabmeier (12.), Michael Bacholke (13.) und Helmut Ertl (16.), die für ein sportlich erfolgreiches Abschneiden des Gastgebers sorgten. Dazu trug auch das Deggendorfer Urgestein Karl Hilmer bei, dessen sensationeller Sieg gegen den Vilshofener Spitzenspieler und Ex-Deggendorfer Thomas Zankl man allerdings nicht mehr seiner Jugend zurechnen kann…

Nahezu alle Teilnehmer äußerten im Verlauf des Turniers oder bei der stimmungsvollen Siegerehrung den Wunsch, der Schachverein Deggendorf möge auch im kommenden Jahr wieder ein offenes Turnier ausrichten. Und sollte die Unterstützung seitens der Stadt und der Sponsoren auch weiterhin in diesem Rahmen erfolgen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich das „Internationale Deggendorfer Open“ im Turnierkalender der Jünger Caissas fest etablieren kann.

FH

 Bild 1
Die Sieger, Jugend- und Ratingpreisträger, umrahmt von Offiziellen und Organisatoren; von links nach rechts: 2. Bürgermeister Peter Volkmer, Daniel Thanner, Marcel Früchel, Rafael Hecker, Dr. Christoph Hahn, Hans-Peter Thanner, Ludwig Bielmeier, Alexander Stadler, Vereinsvorstand Franz Schmidbauer, Turnierleiter Hans Oberberger, im Vordergrund der jüngste Teilnehmer, der 11-jährige Mettener Thomas Berthold, der ebenfalls eine Partie im „Feld der Großen“ für sich entscheiden konnte.

 

Bild 2

Die beiden Sieger bei der Analyse ihrer kurzen Abschlusspartie mit friedlichem Ausgang: Ludwig Bielmeier (links) und Dr. Christoph Hahn, beobachtet von staunenden Kiebitzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.04.2008 Bericht von Franz Haselbeck
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Schachverein muss die Regionalliga nach einem Jahr wieder verlassen

 „Erste“ gegen Trostberg chancenlos – „Zweite“ überrascht mit Sieg gegen Meister

 Nun ist es amtlich: Nach nur einer Saison müssen Deggendorfs Schachspieler die Regionalliga wieder verlassen. Die „letzte Chance“ gegen Trostberg endete mit einer herben 0,5-7,5-Niederlage. Hingegen überraschte die „Reserve“ in der Bezirksliga Ost mit einem abschließenden 5-3-Erfolg gegen die bereits zuvor als Meister und Aufsteiger feststehenden Schachfreunde aus Haselbach.

Auch wenn es merkwürdig anmutet – ungeachtet der auch in dieser Höhe verdienten Niederlage verbietet es sich angesichts der gegnerischen Mannschaftsaufstellung, von einem Debakel für Deggendorf zu sprechen. Ein ungarischer Großmeister am 1. Brett, eines der größten europäischen Nachwuchstalente, ebenfalls aus dem Land der Magyaren, an Brett 8, drei Salzburger Zweitligaspieler, dazu lediglich drei Trostberger, die allesamt zur oberbayerischen Elite zählen, ergaben eine oberligataugliche Übermacht, der acht „echte Deggendorfer“ trotz allen Bemühens in keiner Weise Stand halten konnten. Jeder Kontrahent war den Donaustädtern allein schon von der Wertungszahl her um eine Klasse überlegen, und diesem Umstand musste als erster Professor Johannes Grabmeier gegen Arnold Endthaler nach schweren Eröffnungsfehler Tribut zollen. Im folgte an Brett 1 Franz Haselbeck, der gegen Großmeister Emil Anka, den seit Jahren stärksten Akteur der gesamten Liga, eigentlich eine ausgeglichene Position behaupten konnte, aber schon nach der ersten Ungenauigkeit mit dem Verlust einer Figur bestraft wurde. Sehenswert war der Auftritt des 12-jährigen Richard Rapport an Brett 8, der schon im Alter von 10 Jahren den Titel eines Schüler-Europameisters erringen konnte und ohne Zweifel das Potential zum Großmeister besitzt. Er fegte den bedauernswerten Andreas Krauß förmlich vom Brett und schüttelte auch in der anschließenden Analyse für jeden alternativen Zug des Deggendorfers Gewinnvarianten aus dem Ärmel, die bei Gegner und Mannschaftskollegen gleichermaßen erstauntes Kopfschütteln und Bewunderung hervorriefen.

Bei Stand von 0–3 gelang Ludwig Bielmeier gegen den starken FIDE-Meister Reiner Huch mit einem Remis zumindest ein halber Ehrenpunkt, der jedoch angesichts der unhaltbaren Stellungen seiner Mannschaftskameraden zur Hoffnung keinen Anlass mehr gab. Nacheinander mussten Michael Bacholke, Franz Schmidbauer und Dr. Peter Roth die Überlegenheit ihrer Gegner anerkennen und ihre Partien aufgeben. Lediglich Mannschaftsführer Rainer Tauber spekulierte bis zuletzt auf einen weiteren halben Punkt, doch Matthias Marchhart zerstörte mit einem gezielten Bauernvorstoß konsequent die Stellung des Deggendorfer Teamkapitäns und zwang ihn bald darauf zur Aufgabe. Dennoch konnte Tauber mit 5,5 Punkten bei neun Einsätzen nicht nur das beste Einzelergebnis seiner Mannschaft erzielen, sondern liegt mit diesem Score auch in der gesamten Liga im „Vorderfeld der Torjäger“.

Mit zwei Siegen bei sieben Niederlagen muss Deggendorf als Tabellenschlusslicht nun den Gang zurück in die Niederbayernliga antreten. Allerdings hält sich die Enttäuschung hierüber in Grenzen: Angesichts einer meist deutlich überlegenen Gegnerschaft, in vielen Fällen verstärkt durch auswärtige Spitzenspieler, waren die Erwartungen auf den Klassenerhalt minimal, und das Ziel, die Saison mit Anstand zu spielen und geschlossen aufzutreten, wurde in jedem Fall erreicht. Und darüber hinaus konnte man sich noch über den schönen Erfolg der „Zweiten“ freuen, die dem souveränen Meister aus Haselbach mit 5–3 die einzige Saisonniederlage beibrachte und damit auch die letzten Zweifel am Klassenerhalt beseitigte. Die Punkte holten der unverwüstliche Hans Feichtinger an Brett 1, Mannschaftsführer Hans Oberberger (4) sowie Karl Hilmer (7). Lothar Rader (3), Willibald Haimerl (5), Alois Thurnbauer (6) und Helmut Ertl (8), der mit 6 Punkten die besten Einzelbilanz erreichte, steuerten ein Remis bei; lediglich Georg Reisinger musste unglücklich die Segel streichen. Ein schöner Abschlusserfolg für Deggendorf II, der für die neue Saison Hoffnung auf einen Platz im Vorderfeld der Bezirksliga gibt. Dort hofft sich auch die „Erste“ in der Niederbayernliga behaupten zu können, wobei die Erfahrungen dieser Saison sicherlich jedem Akteur von Nutzen sein werden. 

                                                                                                                                                          FH

  

Bild: Helmut Ertl (links) spielte eine ganz starke Saison in der 2. Deggendorfer Schachmannschaft und erreichte mit 6 Punkte aus 9 Partien das viertbeste Einzelergebnis der gesamten Bezirksliga (Foto: Hans Feichtinger).