Juli 2022

Aufstieg des Schachvereins Deggendorf in die Schachbundesliga

Eine spannende und durchaus auch mit Irritationen verbundene Saison
in der 2. Schachbundesliga Ost ging zu Ende. In der zweiten
Saison ihrer Teilnahme hat die erste Mannschaft des
Schachvereins Deggendorf den Aufstieg in die Schachbundesliga
geschafft.

„Nach dem Wimpernschlagfinale bei dem wir punktgleich und
brettpunktgleich mit Erfurt nur auf Grund der schlechteren
Feinwertung den 2. Platz erreichten, haben wir dennoch
durch den Verzicht der Erfurter das Recht in der nächsten
Saison erstmalig in der aus 16 Mannschaften bestehenden
höchsten Spielklasse anzutreten. Wir klären zur Zeit
die Konditionen und auch die Finanzierung für diesen
Aufstieg.“ so der 1. Vorsitzende des Schachvereins Deggendorf,
Prof. Dr. Johannes Grabmeier.

Die Saison gestaltete sich durchaus irregulär, da zunächst die
Mannschaft aus Bad Emstal/Wolfshagen wegen ihrer vielen
ukrainischen Spielern, die nicht antreten konnten, sich aus
der Liga zurückzog. Breit diskutiert deutschlandweit
in der Szene in den sozialen Medien waren
dann die Vorkommnisse in der 7. und 8. Runde. München Zugzwang und
Passau einigten sich nach kurzer Spielzeit auf 8 Unentschieden,
damit sich wohl Passau den Klassenerhalten sichern sollte.
Die als Mitfavoriten für die Meisterschaft geltenden Spieler
aus Aue reisten nur zu viert nach Erfurt an. Damit stand der Kampf
zu Beginn schon 4:0 für Erfurt und man konnte einen unter normalen
Umständen kaum möglichen 6,5 : 1,5 Sieg erzielen. Damit überholten sie
die Deggendorfer mit einen Punkt bei den Brettpunkten.
Als seltsame Begründung war auf der Homepage
der Auer zu lesen, dass — in der freizügigen EU (!?)– es Visaprobleme
ihrer ungarischen Spieler gegeben hätte.
Der letzte Doppelspieltag, bei dem Deggendorf in Aue gegen
den Absteiger Löberitz und gegen Aue anzutreten hatte, während
Erfurt in Regensburg gegen Passau und Regensburg zu spielen hatte,
musste alos die Entscheidung bringen. Auch Löberitz trat nicht vollständig an,
aber erfreulicherweise gab es an der restlichen Brettern jeweils
einen Sieg für Deggendorf,
so dass man mit 8:0 einen Kantersieg einfahren konnte. Da Passau,
vermeintlich schon vom Abstieg verschont, gegen Erfurt mit nur 7 Mann,
davon einige Ersatzspielern, antrat, konnte Erfurt die Passauer
mit 7:1 abfertigen und wieder Gleichstand herstellen.
Vor der letzte Runde war man folglich
mannschafts- und brettpunktgleich. Obgleich Regensburg in bester
Aufstellung der Saison (!) gegen Erfurt antrat und sportlich fair,
obwohl es für sie um nichts mehr ging, hart bis zum Ende kämpfte,
musste man sich am Ende doch mit 2,5 : 5,5 geschlagen geben.
Im Fernduell in Aue hatte es Deggendorf hingegen mit einer
wesentlich stärker als gegen Erfurt antretenden Auer Mannschaft
zu tun, die nun wieder 7 Spieler aufbot. Unser Spitzenspieler
Großmeister S.J. Narayanan aus Indien, Platz 89 der Weltrangliste!, stand zum ersten
Mal zur Verfügung und hatte am Vortrag seinen ersten Sieg
für Deggendorf erzielt, während er gegen Aue dann keinen Gegner
hatte.

In dieser entscheidenden letzten Runde hatte
Petar Krstic auf Brett 8 zwar einen Bauern mehr im Damenendspiel,
musste aber ins Remis einwilligen, ebenso endete die Partie
von GM Aleksander Delchev auf Brett 3 mit einem Remis.
In einer wilden Stellung behielt GM Nikola Sedlak an Brett 2
die Übersicht und konnte zur 3:1 – Führung für Deggendorf punkten.
Die GM Boban Bogoslavljevic und GM Dalibor Stojanovic steuerten ebenso
überzeugende Siege zu 5:1 bei. Der bislang verlustfreie
Internationale Meister Gleb Dudin, mit 17 Jahren der jüngste
Deggendorfer Spieler, konnte leider einem scharfen Angriff seines
Gegners auf den König nicht genügend entgegenhalten
und musste an Brett 7 die einzige Niederlage hinnehmen. Schließlich
kämpfte GM Dusan Popovic auf Brett 6 noch eine zeitlang hart
um den minimalen Vorteil in einen Sieg umzuwandeln, denn
die Signale durch Ludwig Bielmeier, der die aktuellen
Positionen der Erfurter in Regensburg beobachtete und dem
Deggendorfer Mannschaftsführer Andreas Krauß in Aue mitteilte,
sagte richtig einen 5,5 : 2,5 Sieg der Erfurter vorher.
Schließlich musste auch Popovic zum Remis und zum 5,5:2,5-Sieg
der Deggendorfer über Aue einwilligen. Damit blieb es beim
Gleichstand und dem 2. Platz
für Deggendorf auf Grund der sogenannten Berliner Wertung,
denn die Erfurter hatten im Laufe der Saison etwas mehr Siege
an den vorderen Brettern erzielt.

Für die Deggendorfer ergibt sich nun die Herausforderung,
die Chance in der Schachbundesliga zu spielen, finanziell
abzusichern und die Strahlkraft von absoluten Spitzenschach
über Deggendorf hinaus zu nutzen. Man erhofft sich
eine erhöhtes Interesse von allen Anhängern des königlichen
Spiels sich auch im Verein zu engagieren. Nicht nur die Deggendorfer,
sondern Schachfans aus
ganz Niederbayern werden absolutes
Spitzenschach bei den Heimkämpfen in Deggendorf erleben können.
Gleichzeitig sollen sich diese Aktivitäten auf eine breitere
Förderung des Schachs bei Jugendlichen und in den Schulen
sowie für alle Aktivitäten des Vereins auswirken.

„Ein Großteil der zusätzlichen Kosten, die der Aufstieg
mit sich bringt, ist durch einen Sponsor gut abgedeckt. Dennoch
werden wir unsere Aktivitäten verstärken müssen, weitere Partner
aus der Wirtschaft zu finden, die den Schachverein Deggendorf
in der Schachbundesliga begleiten. Die Zahl der Mitglieder
im Schachverein soll erhöht werden und die Förderung
des Schachsports bei der Jugend muss ausgebaut werden.“
fasst der 1. Vorsitzender Prof. Dr. Grabmeier die
Herausforderungen der nächsten Zukunft zusammen.